Mit dem Roller durch Tunesien!
04.01.2010
Sie zogen aus um mit alten Vespas auf den Spuren der Römer zu fahren. Dabei stellte sich die Frage: Wie tauglich sind Roller in der Wüste?
Brigitta wollte abermals in die tunesischen Wüsten fahren, jedoch gerne auch einen Rollerurlaub mit klassischen Vespas unternehmen.
Dies ließ sich leicht lösen, denn jemanden, der gerne mit einer alten Vespa freiwillig durch die Wüste fährt (schiebt), ist ja auch recht einfach zu finden ;-)
Nun zur Tour- oder eher zum Vorhaben:

Man nehme zwei alte, natürlich hervorragende alte Vespas, pimpt diese mit einem modernen GPS, fülle in alle Löcher Zweitaktöl, stapele das Gepäck auf, fahre über die Alpen nach Genua, steige dort auf die Fähre nach Tunis- den weiteren geplanten Verlauf entnehme man aus der Karte.
Die erste Probefahrt ergab, daß wohl der Hersteller alter Vespas nicht mit dem Wunsch ein GPS zu montieren involviert war. Die doch recht groben Vibrationen geben ein eher undeutliches Bild auf dem GPS frei. Nun - einfach kann jeder und so geht es nun frohen Mutes in Richtung Süden.30. März 2007. Gewitter, starker Regen, kurz vor Italien. Fahrt zäh und frisch. Übernachtung in dem Hotel Gavi, zum Glück: nachts wieder heftige Gewitter. Gutes Abendessen in einer Pizzeria.
31. März 2007. Nur noch 50 km bis Genua, Nebel, Landstraße, kalt. Hafencafé. Tickets kein Problem. Warten. Abfahrt Fähre 4 Std Verspätung! Regen.
Heißt: Wir sind hier in Freiburg auf die Roller gestiegen, aufgrund der Wetterlage haben wir uns für den Gotthardtunnel entschieden. Auf der anderen Seite kalt und Regen, dann doch noch am ersten Tag bis kurz vor Genua in einem Rutsch gefahren, ein kleines Hotel auf Dorfplatz genommen, nächsten Tag über romantische Landstraße nach Genua, mit "tausend" Tunesiern um zwei Fährplatzkarten gestritten (ist aber normal- mehr laut als problematisch) und dann gewartet und gewartet und...
1. April 2007. Unruhiger Schlaf an Deck. Es regnet. Der Motor hat einen Lagerschaden. Spät vom Schiff. Nacht im Hotel Amilcar.
2. April 2007. Ewig Utica gesucht. Oft verfahren, weil das GPS nicht mehr geht. Utica in wunderschönem Blumenmeer! Fahrt fortgesetzt durch knallgrünen Norden bei british weather. Eselparadies. Störche. Zelt im Nebel am Wegesrand aufgebaut.Will sagen: Der Kutter hat dermaßen vibriert, daß die Vermutung nahe lag, der Motor arbeitet sich gleich durch den Rumpf nach draußen und fährt alleine weiter nach Tunesien. Nach tunesischem Zeitempfinden sind wir pünktlich angekommen- heißt: nur 4h zu spät, was für Roller mit tollen Scheinwerfern eine großartige Sache ist- somit erste Hotelübernachtung auf afrikanischem Kontinent. Die Nacht versetzte uns direkt nach England und so mußte Brigitta mit einem wahnsinnig begeisterten Mitreisenden die Tour durch den Norden Tunesiens durchstehen.
3. April 2007. Schreckliche Nacht: Gewittersturm! Von Schlafen kann keine Rede sein. Der Morgen empfängt uns mit Nebel, schnellstmöglich gen Süden. Rollern durch die Ruinen von Dougga. Alles grün und blühend! Bei der Besichtigung der römischen Stadt in Sbeitla - wieder Regen. Wir frieren langsam durch. Ein kleines Hotel aufgesucht!
4. April 2007. Halsweh wird mit frischem jus dorange weggetrunken. Endlich mal wieder gut geschlafen. Heute gibt es gebratenes Lamm vom Wegesrand zum Frühstück. Bei starkem kühlen Wind fahren wir nach Gafza. Überall Blumenteppiche!Angekommen, jetzt erst einmal ein Café vor der Markthalle. Erdbeeren! Datteln! Endlich warme Sonne. Die Straße nach Tozeur steht oftmals unter Wasser. Die ersten Kamele sind zu sehen. Tozeur, die letzte Stadt vor dem El Chott, das Tor zur Wüste, endlich geht es in den Sand. Heißt für uns: Postkarten in der Tourimeile kaufen, Tee trinken und den Campingplatz beziehen. Dort treffen wir viele bekannte Gesichter von unserer Fährüberfahrt.
So to say: Halte Björn´s Kommentare bezüglich des Wetters nicht mehr aus. Wir brechen die Regenfahrt im Norden ab und fahren schnellst möglich in den Süden. Nach der Stärkung am Wegesrand geht es an diesem Tag bis an den Rand des El Chott, den es am Folgetag zu bezwingen gilt.
5. April 2007. Das Wetter ist sehr bedeckt kühl und windig. Eigentlich wollten wir heute über das Chott?!? 14h start... Langsames vorankommen. Doof: im Sand braucht man Schwung, bei Gestein gleich wieder bremsen. Die arme alte Vespa 200 Rally.Entkräftet und kaputt bauen wir das Zelt ca. 5 km von der Straße nach Douz auf. Ruhe. Der Chefkoch serviert eine Tütensuppe, die ihr Haltbarkeitsdatum geringfügig überschritten hat. Wir schlafen wie in Abrahams Schoß.
6. April 2007. Karfreitag die letzte Chott Etappe.Viel Sand: 5 km in 1 Std! El Faouar erreichen wir zur Marktzeit. Douz zur Mittagszeit. Die Idee, alleine nach Ksar Ghilane zu fahren, wird auf später vertagt. Der Campingplatz in Douz fordert unsere Erste-Hilfe-Kenntnisse heraus. Ein junger Italiener kommt mit einer Platzwunde an der Kniescheibe aus der Wüste ins Camp zurück. Von hinten werden wir mit Namen gerufen- wir treffen Birgit, mit der wir schon lustige Ausfahrten auf der Enduromania unternommen haben. Gemeinsames Abendessen. Es folgt ein langer lustiger Abend.
7. April 2007. Wir wollen über ein Wadi nach Ksar Ghilane fahren und kreuzen auf diesem Weg die Rally Optic 2000. Die Organisation durchschneidet die Absperrung und gibt uns den Weg auf der Piste frei- wir sehen uns quer durch die Kurve entgegen kommende Rallyfahrzeuge und entscheiden uns doch für einen ruhigeren Weg und entdecken dabei eine kurze schöne Piste mit viel Sand Richtung Matmata. Sehr windige Kurvenstraße durch das Gebirge mit einer imposanten Sicht nach Medenine. Heute geht es noch weiter nach Tataouine. Wir probieren das Hotel Sangho aus. Gute Dusche, volle Bäuche!8. April 2007. Liegen im Sangho am Pool bis Mittags. Es folgt ein Stadtbummel und der Wechsel ins Gazelle. Abends treffen wir uns mit Birgit und Frank.
Zusammenfassend- Uiuiuiui, welch erlebnisreiche Tage! Erst treffen wir in Douz Birgit, mit der wir schon in Rumänien unterwegs waren (die Welt ist klein), danach kreuzen wir die Optik 2000, einer der Organisatoren schickt uns mit den Rollern in ein Wadi voller Sand und Disteln- umfallen wäre hier ungeschickt, folgend über das Dahar Gebirge nach Tatouine- jetzt aber mal Ruhenachmittag am Pool!!!
9. April 2007. Markttag in Tataouine, Rundgang mit Birgit + Frank. Mittags starten wir über die Berge Richtung nach Matmata. Wir finden ein schönes Nachtlager mit Feuerstelle und genießen ein weiteren Abend unter dem afrikanischen Sternenhimmel mit unseren neuen Mitreisenden. Es wird mal wieder sehr windig!
10. April 2007. Geländefahrt durch Berge nach Matmata. Überall blüht es! Sfax empfängt uns mit chaotischem Verkehr. Noch 62 km bis El Djem. Wir schlafen zwischen Olivenhainen und dem Strand. Zum Abend haben wir noch ein lustiges Gespräch mit einem tunesischem Fischer. Wir riechen!
Was will uns die Schriftstellerin sagen? :-)
Und das mit dem Roller!!!! Über steinige Wege zu den Sternen! Diese Tour bringt jede Zahnkrone zur Verzweiflung!
Nun gut, ich gebe zu, daß ein gewisser Körpergeruch entsteht- aber der tunesische Fischer war auch nicht von schlechten Eltern;-)
11. April 2007. Wir treffen zufällig mal wieder Birgit +Frank vor dem großen Colosseum in El Djem. Gemeinsam suchen wir uns ein nettes Plätzchen am Strand bei Hergla. Die Rally braucht eine neue Zündkerze. Die Mädels baden im Meer- Juhu!- endlich wieder gewaschen?! Die Polizei besucht uns, zieht aber nach einer halben Stunde wieder von dannen.
12. April 2007. Wir nehmen ein gemütliches Frühstück am Strand ein. Birgit +Frank fahren direkt nach Tunis, uns zieht es noch nach Zaghouan, dort regnet es wieder, wir schauen uns noch Thurburbo Majus an. Das Zelt wird am Ackerrand mit Thurburbo-Blick aufgebaut. Es wird wieder stürmisch!Also, wenn jemand die Telefonnummer vom Kommandanten aus Hergla haben möchte, wir hätten diese. Das Auftreten des Herrn in grün ist auch nicht ganz klar, ob es wohl an den beiden Badenixen lag??? Was den Tunesiern zugute zu halten ist: man kann überall schlafen und wenn es gegenüber einer alten römischen Ausgrabungsstätte ist.
13. April 2007. Noch stürmischer als am Abend zuvor. In extremer Schräglage fahren wir wegen des Seitenwinds nach Tunis. Orkanartige Zustände am Hafen von Tunis. Die Abfahrt wird um 4 Std. verschoben, das kennen wir ja schon. Die Überfahrt nach Genua ist unruhig.
14. April 2007. Ankunft in Genua gegen 16 h schönes Wetter, die Frisur hält. Wir fahren in einem Stück über die Alpen zurück nach Freiburg. Ankunft dort: 2 h Nachts!
Zum Schluss möchten wir uns noch herzlichst bei unseren Helfern bedanken:der Familie für das schöne GPS
Guido von Reifen Holzer für die reifliche Unterstützung
Marcus von der Rollerboutique
Joe für die Karten
und allen anderen!





